Kältehilfe der Berliner Stadtmission für Wohnungslose startet am 1. November 2009
Berlin. Mit dem Kältebus und der Kälte-Notübernachtung will die Berliner Stadtmission Kältetote in Berlin verhindern. Vom 1. November 2009 bis zum 31. März 2010 sucht der Kältebus mit seinem Team nach hilflosen Wohnungslosen, die nicht mehr aus eigener Kraft eine Kälte-Notübernachtung aufsuchen können. Auf Wunsch werden sie zu einem sicheren Übernachtungsplatz gefahren.
Wohnungslose, die aufgrund einer schweren Verstörtheit, Gemeinschaft mit anderen Menschen nicht ertragen können, werden regelmäßig besucht. Die Kältebus-Mitarbeiter versuchen ins Gespräch zu kommen, bieten Hilfe, eine Tasse heißen Tee oder einen warmen Schlafsack an.
Der Kältebus der Berliner Stadtmission startete vor 15 Jahren. Aktueller Anlaß war 1994 der Erfrierungstod eines Obdachlosen in Berlin. Er hatte keine Kraft mehr, selbst einen warmen Unterschlupf aufzusuchen. Die Mitarbeiter in der City-Station, einem Restaurant mit Beratung und Seelsorge, waren über den Tod bestürzt und suchten nach einer sofortigen Hilfemaßnahme. Ein zweiter Kältetoter sollte unbedingt verhindert werden. Gleich in der nächsten Nacht startete ein VW-Bus. Der Kältebus war geboren. Seither ist der Kältebus jeden Winter unterwegs auf der Suche nach hilflosen Obdachlosen. Viele Obdachlose verdanken ihm ihr Überleben.
Größter Wunsch des Kältebus-Teams ist ein neuer VW-Bus in Langversion mit einfachen Plastiksitzen. Der bisher genutzte Kältebus ist reparaturanfällig und könnte womöglich ausfallen. Da die meisten Obdachlosen schlecht zu Fuß sind und nur unter Schwierigkeiten einsteigen können, ist mehr Platz ideal. Etliche sind schwer krank, haben ansteckende Krankheiten oder Läuse. Um alles hygienisch sauber zu halten, sind einfache Plastiksitze am besten.
Gleichzeitig mit dem Start des Kältebusses öffnet am Sonntag, den 1. November um 21 Uhr die Kälte-Notübernachtung im Zentrum am Hauptbahnhof. Eindrucksvoll schilderte ein wohnungsloser Gast im letzten Winter: "Wenn ich etwas Warmes gegessen und getrunken habe, fühle ich mich ganz langsam wieder wie ein Mensch. Die Kälte friert einfach alles ein, jedes Gefühl, auch den Mut, auf ein anderes Leben zu hoffen." Jeden Abend ist eine medizinische Erstversorgung möglich. Erkältungskrankheiten bis hin zu Lungenentzündungen treten häufig auf, auch offene, schlecht heilende Wunden sind ein klassisches Problem wohnungsloser Menschen.
Im Kältebus wie in der Kälte-Notübernachtung wird ein bewährtes Team aus den Vorjahren im Einsatz sein. Zum Glück fest einplanbar sind die ehrenamtlichen Helfer, die jede Nacht bis in die frühen Morgenstunden mitarbeiten. Im Rahmen des Projekts "Berlin bei Nacht" haben sich engagierte Nicht-Berliner angemeldet, um Berlin im Winter einige Wochen lang von einer ganz besonderen Seite kennen zu lernen und die Kältehilfe tatkräftig zu unterstützen.
Da die Kältehilfe der Berliner Stadtmission nur zu einem Teil von öffentlichen Mitteln getragen wird, sind Spenden für die Arbeit von größter Bedeutung. Das Bezirksamt Berlin-Neukölln unterstützt seit Jahren finanziell den Kältebus, das Bezirksamt Berlin-Mitte hilft mit öffentlichen Mitteln bei der Finanzierung der Kälte-Notübernachtung. Für diese unverzichtbaren Hilfen ist die Berliner Stadtmission dankbar. Im letzten Winter kamen im Schnitt 125 wohnungslose Menschen, an manchen Nächten waren es bis zu 172 hilflose Männer und Frauen, die ein schützendes Dach brauchten. Da zusätzliche Gäste auch zusätzliche Kosten bedeuten, muss die Berliner Stadtmission den Aufwand für Essen, Schlafplätze, medizinische und hygienische Angebote, Kleidung, Beratung und Seelsorge durch Spenden finanzieren.
Mit dem Motiv des "Eismenschen", in dem man einen wohnungslosen Menschen erkennen kann, wirbt die Berliner Stadtmission um Spenden für die Kältehilfe. Besonderer Dank gilt dabei der Firma Wall AG, die auch im kommenden Winter großzügige Unterstützung durch kostenlose Plakatwerbung zugesagt hat.
Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft
Kto: 5444
Stichwort: Kältehilfe
BLZ 100 205 00
Die Kälte-Notübernachtung ist ab dem 1. November telefonisch zu erreichen: 690 33 520
Der Kältebus ist ab dem 1. November ab 21 Uhr zu erreichen: 0178-523 58 38
(Redaktion)
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