Neue Filmreihe im Babylon
Berlin. Das BABYLON zeigt vom 30.8. – 15.9. „Jeder für sich und Gott gegen alle”, „Stroszek” und „Phantomanie” und die Doku „Bruno S.- Die Fremde ist der Tod“.
Jeder für sich und Gott gegen alle– Kaspar Hauser
D 1974, R: Werner Herzog, mit
Bruno S., Walter Ladengast, Brigitte Mira, Willy Semmelrogge, Herbert
Achternbusch, 35mm, 110 Min
1829 taucht in Nürnberg ein geheimnisvoller junger Mann auf. Er kann kaum gehen und sprechen. Sein Leben lang war er in einem Kellerloch eingesperrt, ohne jeden menschlichen Kontakt. Sofort erweckt er die Neugier der
Biedermeier-Gesellschaft. Bei seinem Lehrer lernt er lesen, schreiben und die
gesellschaftlichen Umgangsformen. Doch seine naive, unverbildete Logik stößt auf Unverständnis: Sie provoziert, entlarvt und verspottet die Gesellschaft. Das
Ende seiner Gefangenschaft bringt Kaspar Hauser keine Befreiung ...
Anhand authentischer Dokumente aus dem 19. Jahrhundert erzählt Werner Herzog die Geschichte des Kaspar Hauser und setzt mit diesem international ausgezeichneten Film Maßstäbe. Ungeklärt wie seine Herkunft ist noch bis heute Kaspar Hausers Ende.
Mi, 1.9. 21:30 / Fr, 3.9. 21:30 / Mo, 6.9. 21:15 / Fr, 10.9. 22:00 / Mi, 15.9.
21:45
Stroszek
D 1976, R: Werner Herzog, mitBruno S., Eva Mattes, Wilhelm von Homburg, Burkhard Driest, 35mm, 108 Min
Werner Herzogs Stroszekist nur auf Grund eines gebrochenen Versprechens
entstanden: Nachdem Herzog zusammen mit dem Laiendarsteller Bruno S. 1974 den Film Jeder für sich undGott gegen alle – Kaspar Hauserinszeniert hatte,
versprach der Regisseur dem Berliner Hinterhofmusiker noch einen weiteren Film, nämlich Woyzeck, mit ihm zu drehen. Als sich Herzog an die Planung zu Woyzeck heran machte, stellte er jedoch fest, dass dies keine Rolle für Bruno S. sei, sondern viel besser zu Klaus Kinski, mit dem er bereits bei Aguirre – Der Zorn Gottes (1971) zusammengearbeitet hatte, passte. Und so versprach Herzog Bruno S. am Telefon, dass er ein neues Drehbuch für einen ganz neuen Film für ihn schreiben würde – und das innerhalb einer Woche. Stroszek klingt deshalb nicht nur zufällig so ähnlich wie Woyzeck.
Auf der Suche nach dem großen Glück wandert der Kleinganove und Straßensänger Bruno S. kurz nach seiner erneuten Entlassung aus dem Berliner Gefängnis samt Streuner-Freundin Eva und Nachbar Scheitz nach Amerika aus. Das ungewöhnliche Trio will auf der anderen Seite vom großen Ozean sein Glück versuchen. In einem gemütlich warmen21 Meterlangen Wohnwagen in Wisconsin finden sie es, doch es ist
nicht von langer Dauer. Nach Zahlungsschwierigkeiten wird der Wohnwagen
versteigert und der Traum zerplatzt. Zu allem Unglück wird Stroszek auch noch
von Eva verlassen.Wird die Glückssuche im Fiasko enden?
Mo, 30.8.22:00/ Sa, 4.9.21:30/ Di, 7.9.22:00/ Mo, 13.9.22:00/ Fr, 10.9.17:45
PHANTOMANIE
D 2009, R: Miron Zownir, mit Bruno S., Hans Michael Rehberg, Geno Lechner,
Soundtrack: Alec Empire, 83 Min, OmenglUT
In PHANTOMANIE kehrte der 77 Jährige in der Rolle desobdachlosen Bruno endlich wieder auf die Leinwand zurück.Bruno, der sich hoch über den Dächern der Stadt in der Ruine einer verlassenen Abhörstation eingerichtet hat, ist der letzte Freund den Aufschneider LARRY (George Nickel) noch hat. Denn was immer Larry angeht, geht schief: Er schuldet den falschen Leuten Geld und ist auf der Flucht vor einem ominösen Pfaffen, der die Bibel allzu wörtlich nimmt. Auch an der häuslichen Front droht Ärger. Seine Freundin LILLY (Vivien Bullert) ist
enttäuscht von ihrer fruchtlosen Beziehung und nervt mit ihren Wunschwahnvorstellungen.Bruno sieht die Katastrophe kommen, kann sie aber nicht verhindern. In Phantomaniekehrt Bruno S. an der Seite von Hans Michael Rehberg, Geno Lechner und Natalia Avelon nach langen Jahrzehnten der Vergessenheit wieder auf die Leinwand zurück. In der Rolle des Bruno reflektiert er eiskalte Einsamkeit und Verzweiflung inmitten einer absurden, menschenverachtenden Welt.
So, 5.9. 20:15 / Sa, 11.9 22:00 / Di, 14.9. 21:45
Bruno S.- Die Fremde ist der Tod
D 2002, R:Miron Zownir, mit Bruno S., Harry Hass, Lars Rudolph, Klaus
Theuerkauf, Alexander Hacke , Fritz Schuler, 60 Min
Als Bruno S., der sein Leben bis dahin in Heimen, Obdachlosenasylen und
psychiatrischen Anstalten verbracht hatte, 1975 zu den Filmfestspielen nach
Cannes reiste, wurde er dort wie ein Star gefeiert. Durch seine Darstellung des
Kaspar Hauser in Werner Herzogs Film JEDER FÜR SICH UND GOTT
GEGEN ALLE schien dem oftmals verspotteten Außenseiter endlich der Ausbruch aus seiner Isolation gelungen zu sein. Mit seinem nächsten Film STROSZEK, den er wiederum mit Bruno S. in der Hauptrolle besetzte, wollte Herzog ihm nach eigener Aussage „ein Monument“ setzen. Doch mit diesem Teil seiner Vergangenheit hat der inzwischen 70-jährige Bruno S. abgeschlossen. Die Distanz, die er zu sich findet,wenn er in der dritten Person von sich spricht, scheint ihm zu helfen, die vielen Verletzungen seiner Seele von außen zu betrachten: „Da haben sie ihn gesucht und gebraucht dafür. Bruno ist doch nur ein Wegwerfartikel.“ Denn dem kurzen, schnellen Ruhm folgten lange Jahre der Einsamkeit, in denen der Briefkasten leer blieb und das Telefon in seiner engen Wohnung viel zu selten klingelte. Auf Bruno S. angesprochen, zeigte sich sein Entdecker Herzog erstaunt: „Ach, der lebt noch?“ WieBruno S. lebt, zeigt dieser Dokumentarfilm. Dabei geht es nicht darum, ihn als Opfer von Institutionen und Vorurteilen zu zeigen, sondern als einen Menschen, der allen Benachteiligungen zum Trotz ohne fremde Hilfe seinen eigenständigen Weg gefunden hat. Gegen die ihm widerfahrenen Ungerechtigkeiten versucht er sich zu wehren, indem er Bilder malt und seit 30 Jahren mit seinen Musikinstrumenten um Berlins Häuser zieht. In den Textender Lieder, die Bruno begleiten, findet er seine Gefühle genau beschrieben.
Fr, 3.9. 18:15 / MI, 8.9. 18:15 / So, 12.9. 20:30
Babylon
Rosa-Luxemburg-Str. 30
10178 Berlin
(Redaktion)
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