Trauer um Bruno S. - Künstler, Schauspieler und Musiker, Obdachloser
Berlin. Bruno Schleinstein ist vor zwei Tagen im Alter von 78 Jahren verstorben. Als Ausgegrenzter, aber vor allem als unverwechselbarer Künstler, Schauspieler und Musiker wird er vielen Menschen im Gedächtnis bleiben.
Die Bezirksstadträtin für Kultur und Bürgerdienste Katrin Framke (Die Linke) und die Leiterin des Museum Lichtenberg, Frau Christine Steer erklären:
„Wie wir heute (13. August 2010) erfahren mussten, ist Bruno Schleinstein vor zwei Tagen im Alter von 78 Jahren verstorben. Der Tod von Bruno Schleinstein erfüllt uns mit Trauer. Wir haben Bruno bei verschiedenen Gedenkveranstaltungen des Bezirksamtes Lichtenberg in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Marginalisierte gestern und heute zur Erinnerung an die Verfolgung so genannter Asozialer in der NS-Zeit an den ehemaligen Arbeitshäusern Rummelsburg kennen und schätzen gelernt. Als Marginalisierter, Ausgegrenzter, aber vor allem als unverwechselbarer Künstler, Schauspieler und Musiker wird er uns und vielen anderen im Gedächtnis bleiben. Bei den Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Aktion Arbeitsscheu Reich durch das Nazi-Regime in Rummelsburg und bei weiteren Veranstaltungen, wie z. B. der Eröffnung der Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ im Museum Lichtenberg hat Bruno mit seinen Balladen und Liedern und seiner besonderen Vortragsweise authentisch und anrührend sein Publikum in den Bann gezogen. In dem Buch „ausgesteuert – ausgegrenzt … angeblich asozial“, herausgegeben von Anne Allex und Dietrich Kalkan und dem Film von Andreas Behrendt „arbeitsscheu-abnormal-asozial“ - zur Geschichte der Berliner Arbeitshäuser spielt Bruno eine „Hauptrolle“.
Wie Lothar Eberhardt vom AK Marginalisierte mitteilte, findet die von seinen Freunden Klaus Theuerkauf und Franz organisierte Trauerfeier am Sonntag, dem 15. August, ab 17 Uhr in Brunos Stammlokal, in der Stadtklause direkt am Anhalterbahnhof, Bernburger Straße 35, statt.
Wir werden die Erforschung der Geschichte der Arbeitshäuser Rummelsburg fortsetzen und mit der für das kommende Jahr geplanten künstlerischen stadträumlichen Markierung des Rummelsburger Areals Menschen wie Bruno Schleinstein ein ehrendes Gedenken bewahren.“
Bruno Schleinstein
Geboren am 02.06.1932 in Berlin-Friedrichshain, gestorben am 11.08.2010 in Berlin-Tiergarten; drittes Kind aus einer unehelichen Beziehung; seine Mutter gab ihn etwa 1937 ins Heim; ab 1941 im Haus Wiesengrund der Wittenauer Heilstätten untergebracht; mehrfach ausgerissen und wieder aufgegriffen; Opfer medizinischer Versuche; nach dem Krieg u. a. Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt, dort erlernt Bruno das Akkordeonspielen; obdachlos, dann tätig als Lagerarbeiter, Gabelstaplerfahrer, Bauarbeiter; in seiner Freizeit als Musiker in den Hinterhöfen der Altstadtquartiere unterwegs; in den 1970er Jahren Entdeckung durch den Filmemacher Werner Herzog; 1974 erste Hauptrolle in dem Film „Jeder für sich und Gott gegen alle – Kaspar Hauser“; seit 2008 Anerkennung nach dem Gesetz für politisch und rassisch Verfolgte als „Reichsausschusskind“
Weitere Informationen:
Bezirksamt Lichtenberg
Bezirksstadträtin für Kultur und Bürgerdienste
Katrin Framke, Tel.: 030-90296 37 00
e-mail: katrin.framke@lichtenberg.berlin.de
(Bezirksamt Lichtenberg)
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